Stellungnahme des Plenums der Sauerkrautfabrik

Weder Freund*in – noch Helfer*in

Das ein Mensch in Polizeigewahrsam umkommt, ist leider kein Einzelfall, sondern katastrophaler Normalzustand in Deutschland. Wir solidarisieren uns mit Amans Angehörigen und Freund*innen und wünschen allen viel Kraft.
Was jetzt wichtig ist, dass wir unsere Trauer gemeinsam in Wut wandeln und dem Staat zeigen, dass es so nicht weitergehen wird. Jeder Schuss aus einer Waffe der deutschen Polizei ist ein Schuss zu viel.
Amans Fall wirft, wie viele andere Fälle auch, Fragen auf.

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Demonstrationsaufruf zum 12.10.2019

Aman Alizada kam 2016 aus Afghanistan nach Deutschland um Schutz zu suchen, schließlich fand er hier den Tod, durch Kugeln aus der Dienstwaffe eines deutschen Polizisten.

Am Samstagabend, dem am 17. August 2019, wurde der 19-Jährige während eines Einsatzes in seiner Unterkunft im Stadtteil Bützfleth erschossen, nach dem er am Morgen dem Schützenumzug zugesehen und dem Ortsbürgermeister die Hand geschüttelt hat. Die Polizei wurde am Abend auf Grund eines Konfliktes von einem Bewohner der Unterkunft aus Angst um und vor ihren Freund Aman gerufen, der als traumarisiert galt. 
Einen Konflikt zu klären gehört normalerweise zu Routineeinsätzen der Polizei.

Als die Beamten mit zwei Streifenwagen eintrafen, da sie Aman bereits aus geringfügigen Verfahren kannten, war der 19-jährige nicht ansprechbar und reagierte nicht auf den folgenden Pfefferspray Einsatz der Polizei, welche dann zur Waffe griff.
Angeblich vielen die Schüsse als Reaktion auf einen Angriff Amans mit einer Kurzhantel, wobei an dieser Stelle kritisch zu hinterfragen ist ob ein tödlicher Schuss der einzige Weg war, den psychisch Erkrankten – der aufgrund des Pfeffersprayeinsatzes zu dem Zeitpunkt nahezu blind gewesen sein dürfte – von einem Angriff abzuhalten.
Laut Polizeibeamten handelte es sich bei den abgegebenen Schüssen um Notwehr, wobei es laut den Mitbewohnern des Betroffenen zum Zeitpunkt der Tat „keinen körperlichen Streit“ gegeben habe.
Die eintreffende Notärztin und ihr Team wurden von der Polizei knapp eine Stunde daran gehindert, Aman medizinisch versorgen zu können. Schließlich kam jede Hilfe für ihn zu spät.

Leider war dieser Fall nicht der erste und wahrscheinlich auch nicht der letzte Fall, in dem Geflüchtete Opfer des rassistischen Systems geworden sind. 
So erinnern wir uns beispielsweise an Oury Jalloh, der lebendig gefesselt in seiner Gefängniszelle verbrannt ist, Achidi John, der in Folge eines von der Polizei angeordneten Brechmitteleinsatzes verstorben ist und an Yaya Jabbi, der in Polizeigewahrsam Selbstmord begannen haben soll.
Todesfälle in Polizeigewahrsam sind keine Einzelfälle. Die schleppende und teils aktive Verhinderung von Aufklärung dieser Fälle lassen eine generelle Kontinuität erkennen.

Wir wollen am 05. Oktober demonstrieren gehen um unsere Trauer, Angst und die Wut auf die Straße zu bringen und unseren Gefühlen damit einen Ausdruck verleihen zu können. Wir wollen einen Raum für das Gedenken an Aman schaffen.
Das Geschehene darf nicht in Vergessenheit geraten und mit fälschlichen Zeitungsartikeln abgehakt sein.

Schließt euch uns an, kommt zahlreich und lasst das Geschehene nicht in Vergessenheit geraten.

Video auf Dari/Farsi

In einem Video berichtet ein in Schweden lebender Youtuber über die Geschehnisse. Diesen hatten Amans Freunde kontaktiert, weil sie der öffentlichen Berichterstattung über den tragischen Todesfall in deutschen Medien ihre eigenen Eindrücke entgegensetzen wollten. Sie hatten das Bedürfnis, mit ihrer Version der Geschehnisse Gehör zu finden. Es ist den Freunden wichtig, dass Aman in den Augen der Öffentlichkeit nicht als gewalttätig verunglimpft wird.
Schließlich suchte Aman Schutz vor Gewalt in Deutschland und starb nun bei einer Gewalttat. Die Freunde fordern eine umfassende rechtsstaatliche Aufklärung des Polizeieinsatzes ohne jegliche Vorverurteilungen.

Das Video des in Schweden lebenden Youtubers ist nur auf Dari/Farsi verfügbar. Der Flüchtlingsrat Niedersachsen bemüht sich derzeit darum, das Video übersetzen zu lassen.

Quelle